Das ist eine wahre Geschichte, die Mut machen soll. Keiner muss sich heute deswegen verstecken. Früher war das noch anders, da gab es noch die „schöne“ Hand und Noten fürs SchönSchreiben.
Ich erbringe täglich Höchstleistungen
Aufgewachsen bin ich in einer Welt voll von Vorschriften und Wissen. „Das gehört sich so!“ und „Das gehört so nicht!“ Das war nicht bös gemeint. Sie wussten es selber nicht besser.
Ein sehr braves und ruhiges Kind soll ich gewesen sein. Nicht wissend, hab ich es unaufgefordert schon von frühester Kindheit an als meinen Auftrag gesehen, meine Eltern in ihren Erziehungsaufgaben zu entlasten. Damit es meiner Mutter gut geht.
Hab ich meine Sensitivität dadurch entwickelt oder sie schon mitgebracht? Ist auch egal, sie ist da. Dieses Kümmerer-Syndrom gegenüber meiner Familie loszuwerden, ist meine neue Herausforderung.
In der Volksschule fühlte ich mich vielleicht wohl, ich kann mich nicht mehr erinnern.
Schreiben war nicht so meine Leidenschaft. Zu meiner Schulzeit gab es die Bewertung des Schriftbildes und Schönschreiben. Die Art, wie ich noch heute den Schreibstift halte, spricht Bände. Schreiberdippel sagte man früher zu den Auswüchsen am letzten Mittelfingergelenk. Woher es kommt, dass ich heute gern und sehr schön schreibe – zumindest höre ich das oft von anderen – kann ich auch nicht sagen.
b und d und p
Das kleine b und das kleine d waren eine Herausforderung. Unterstützt vom kleinen p wurde es auch nicht einfacher. In welche Richtung schauen die Bogen beim großen B? Nach dort oder nach da?
Wie wird die Zahl „achtundneunzig“ geschrieben? Zuerst der 8er oder doch der 9er? Rätsel über Rätsel.
Die Krönung meines Unmutes erregte mein langjähriger Mathematik-Professor. Der Auftrag war, mit Buchstaben zu rechnen. Das große „E“ schlug dem Fass den Boden aus. Jetzt kann ich mit den Zahlen schon nicht so gut rechnen, was machen da die Buchstaben in meinem Zahlensalat. Erst viel später wurde mir bewusst, dass ich immer eine Rebellin war, die Bestehendes in Frage gestellt und manchen Sinn hinterfragt hat.
Damals war ich noch sportlicher und beweglicher. Und in der Schule gab es auch ausreichend Turnunterricht. Sogar das Schwimmen hab ich gelernt, ob ich wollte oder nicht. Daran erinnere ich mich genau, im Nichtschwimmerbecken des Judenburger Freibades. Das geht doch nicht, dass die Tochter der Turnlehrerin nicht untertauchen mag! „Es passiert ja nix! Ich halt dich ja fest!“ Schwamm drüber, ich hab es überlebt.
rechts ? links ? wo jetzt ?
Die Richtungsangabe „rechts“ und „links“ ist recht nett, aber für mich nichtssagend. Bei Trainingsfahrten in der Fahrschule wurde mir das zum Glück nicht zum Verhängnis. Vergessen meine Kinder auf meine „Ignoranz von rechts und links“, höre ich manchmal ihr Unverständnis: „Wie kann man das nicht wissen, das ist ja klar. Rechts ist dort, wo der Daumen links ist.“ Allein die Vorstellung treibt mir Tränen in die Augen. Lachtränen. Denn ich kann es den Kindern gar nicht erklären, in wie viele Richtungen meine Daumen schauen können. Ich geb es auf und reiss mich zamm, sonst kommen wir nie ans Ziel.
Irgendwann hab ich begonnen, zum Gitarrenunterricht zu gehen. Nach einigen Jahren – ich geb zu, ich war nicht sehr eifrig – hatte ich ein Gipsbein und folglich die Gitarre auf dem anderen (falschen) Bein abgestellt. Ab diesem Zeitpunkt war auch da die Verwirrung perfekt, wie die Gitarre richtig zu halten ist.
Hätte es damals jemand gewusst !!!
Meine Mutter hat sich als Volksschul- und Hauptschullehrerin sehr um das Lernen und die Freude daran gekümmert. Sie war bei ihren Schülern sehr beliebt, glaube ich. Erst spät hat sie Brain Gym® kennengelernt und eine Ausbildung zur Legasthenietrainerin absolviert. Selbst war sie umgelernte Linkshänderin und hat ihr Leben lang darunter gelitten.
Bei mir war es dann schon zu spät, Brain Gym® in meine Schulzeit einzubauen, ich war schon im Berufsleben. Aber ich hab später das eine oder andere mitbekommen.
Hätte schon in meiner Volksschulzeit jemand das Wissen gehabt und die Methode verwendet!! Heute ist das für uns Kinesiologen und zum Glück auch für viele Pädagogen selbstverständlich!!!
Dann hätten Kinder wie ich erfolgreich und vor allem mit Leichtigkeit und Freude Lesen, Schreiben, Rechnen, Lernen und Leben gelernt. Dann hätte ich schon vor 55 Jahren die fehlenden Bausteine in meiner Entwicklung nachholen können. Ob ich jemals gekrabbelt bin, weiß ich leider nicht und fragen kann ich auch niemanden mehr.
Weil es eben diese kinesiologische Unterstützung für mich damals, ab dem Jahr 1972, nicht gegeben hat, hab ich mich selbst organisiert – organisieren müssen.
Wieso Höchstleistung? - Ein Beispiel
Ich weiß bis heute nicht, in welche Richtung sich Schrauben und Wasserhahnknöpfe drehen. Ich hab mir für jede Bewegung eine Eselsbrücke zurechtgelegt. In Bruchteilen von Sekunden hole ich meine Merkhilfe für das Schreiben von Zahlen hervor. Und meine Ausbildung zur Buchhalterin hab ich mit Auszeichnung abgeschlossen.
Manche Handgriffe mache ich mit rechts, manche mit links. Eines bin ich wahrscheinlich nicht: eine umgelernte Linkshänderin. Ich vermute, ich bin beidhändig geschickt. Oder das hat mit meiner permanenten Hochleistung zu tun, sofort die passende Eselsbrücke für die vorliegende Herausforderung zu finden und anzuwenden. Vielleicht ist das auch mitverantwortlich dafür, dass ich rasch und flexibel eine Lösung für beinah jede Aufgabe finde.
Die besondere Leistung, die mein internes System dabei vollbringt, kannst du dir so vorstellen:
Zwei Radfahrer auf dem Weg
Der Radfahrer Chris ist auf dem Radweg unterwegs. Er hat soeben seinen Freund eingeladen, sich am See zu treffen. Der Weg dorthin ist asphaltiert, hat keine Schlaglöcher und Hindernisse und führt Chris auf dem kürzesten Weg an sein Ziel, einen lauschigen Platz am See zum Seelebaumelnlassen.
Der Radfahrer Nik möchte sich mit Chris an einem See treffen. Beim Telefonat zuvor war ganz schlechte Verbindung, Nik hat nicht alles verstanden. Jetzt sucht er noch den Weg auf der Karte, damit er weiß, wohin. Auf seinem Radweg ist eine Baustelle, er muss eine Umfahrung nehmen. Dabei fährt er querfeld ein über Stock und Stein, biegt einmal falsch ab und kommt grad noch rechtzeitig drauf, dreht um und erreicht zeitgleich mit Chris den kühlen Platz am See zum Seelebaumelnlassen.
Mein System läuft im Modus „Nik“. Das funktioniert meistens gut, außer es kommen noch andere Stressoren hinzu. Dann wird es knapp.
Bis heute kompensiere ich mein Defizit - meist erfolgreich
Eines hab ich in den letzten 60 Jahren gelernt: Es ist egal, wie es heißt und wie es „sich gehört“. Ich mache es so, wie ich es kann. Damit bin ich noch überall hingekommen und hab alles erreicht, was ich wollte. Manchmal hab ich auch etwas erreicht, dass ich so nicht wollte. Aber das gehört zum Leben und Lernen dazu und ist wieder eine andere Geschichte.
Ich wende die kinesiologischen Methoden regelmäßig selbst an. Das hilft mir, die Herausforderungen – und in den letzten Jahren waren sie zahlreich und tiefgründig – zu meistern. Damit kann ich nach manch düsteren Tagen wieder auftauchen, wie der Phönix aus der Asche. Etwas gebeutelt, aber stolz darauf, wieder aktiv dabei zu sein beim Spiel des Lebens.
Meistens belastet mich mein Handicap nicht. Ich lach höchstens, wenn ich mich doch mal „verwurschtl“. Außer, meine Nerven sind bis zum Zerspringen gespannt, dann ist die Gelassenheit auch fort. Doch selbst dann hilft mir Kinesiologie. Und noch besser hilft es, wenn ich mir von Kolleginnen helfen lasse.
Irgendwann bei einem Klassentreffen hab ich von Schulkollegen zu hören bekommen, bei mir hätten sie sich nie Sorgen gemacht, dass ich etwas nicht kann oder nicht schaffe. Das zu hören, hat mich erstaunt. Denn damals war mir mein Auftreten nicht so bewusst.
Meinen drei Kindern hab ich alle Seitigkeiten offengelassen. Eines davon ist erfolgreicher Linkshänder. Eines hätte vielleicht mehr Unterstützung in der Entwicklung des Schreibens und Bewegens gebraucht. Das kann ja noch kommen. Ob der Vater meiner Kinder in Wahrheit auch gern ein Linkshänder gewesen wäre, ist nicht bestätigt, aber möglich.
Kinesiologisch lässt sich da viel bewegen
Wenn sich da jetzt die Frage auftut: „Wie willst du mir helfen, wenn du es selber nicht kannst?“
Der springende Punkt ist nicht, es richtig zu machen. Wer nimmt sich das Recht heraus, festzulegen, was richtig ist?
Wichtig ist,
- zu machen,was gerade zu tun ist,
- mit den Aufgaben im Leben gut zurecht zu kommen und
- stolz auf die eigenen Fähigkeiten zu sein.
Ohne Stress und ohne Frust, auf deine persönliche Art und Weise. Und dabei kann ich dir gern helfen – mit meiner eigenen Erfahrung, meiner ausführlichen kinesiologischen Ausbildung und meinem Wunsch, zu zeigen, dass es viele Wege gibt und dass alle in Ordnung sind.
Seit mehr als 10 Jahren wende ich Kinesiologie mit Brain Gym® und Touch for Health und neuerdings auch Hyperton-X bei mir selbst, meiner Familie und bei Klienten an. Seit einiger Zeit unterrichte ich sogar diese Techniken, die das Leben und das Lernen enorm erleichtern. Vielleicht mach ich mich in der nahenden Pension daran, meine fehlenden Entwicklungsschritte nachzuholen. Kinesiologisch lässt sich da viel bewegen!
Und seit einiger Zeit übe ich mich darin, stolz auf mich zu sein. Stolz darauf, welche Höchstleistungen ich bis jetzt erbracht habe. Trotz meiner oben beschriebenen Handicaps schreibe ich liebend gern Geschichten und Texte, hab ich eine schöne Handschrift, handarbeite und bastle ich gern, mag ich Zahlen, ………
….. und lache ich gern über mich, wenn wieder mal die Richtung nicht stimmt. Außerdem hab ich zwei schöne Hände, mit denen ich zeigen kann, wohin ich will! Was soll´s!






